Tag der Dritte. 1
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Mittwoch ist die Mitte der Arbeitswoche. Der sowjetische Mensch, der es bis zum Mittwoch geschafft hat, spuert bereits das rosa Morgenrot der Wochenenden. Die Wirklichkeit besudelt die Wochenenden in der Regel durch das Stehen in Warteschlangen und die elementare Sorge um die Verpflegung. Aber am Mittwoch entsteht das Gefuehl des baldigen Nichtstuns; deshalb nistet sich in den Seelen romantischer Buerger die zerbrechliche Hoffnung ein, dass es diesmal vielleicht alles anders sein wird.
Grigorij stand am fruehen Morgen noch vor dem Klingeln des Weckers auf.
Der verkohlte Kaktus auf dem Fensterbrett beunruhigte die geheimen, von Spinnweben ueberzogenen und mit Staub bedeckten Winkel des Verstandes, wohin gewoehnlich jeder Unrat gefegt wird. Das Bewusstsein empfiehlt nicht, in die staubigen Ecken zu schauen.
Grigorij wusch den Teller unter dem Strahl des heissen Wassers ab und stellte ihn in den Schrank. Als er den Griff des Wasserkochers auf dem Herd ergriff, spuerte er ploetzlich die Anwesenheit von jemand anderem im Raum. Er sah sich um. Auf den Schemel setzte sich der Erzengel Gabriel, indem er seine langen dunklen Gewaender bedaechtig ordnete.
– Schon wieder du, – grinste Grigorij schief.
Er goss kochendes Wasser in die Tasse und fuegte aus der bauchigen Teekanne aus Keramik den hellen Sud hinzu.
– Sag mir, warum ist das so, – Grigorij setzte sich, gab zwei Loeffel Rohzucker in die Tasse und begann umzuruehren, wobei er monoton mit dem Loeffel gegen die Tassenwaende schlug, – warum ist das so, Gabriel: Wenn ich dich sehe, erinnere ich mich, aber wenn du verschwindest, vergesse ich alles. Fast alles, – korrigierte sich Grigorij.
– Baetst du mir einen Tee an? – antwortete Gabriel.
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