Tag der sechsunddreissigste. Dienstag. 1
Grigorij klopfte an das Fenster. Der Taxifahrer schreckte auf. Er blickte sich um, suchte nach dem Grund, der ihn geweckt hatte, und als er ihn fand, oeffnete er das Fenster einen Spalt breit.
– Frei? – fragte Grigorij.
1
– Frei wie ein Vogel, – gaehnte der Taxifahrer, ein Junge von etwa 20-22 Jahren – Stuelpnase, helle Augen, ein Schopf hellen Haares.
– Kann ich einsteigen?
– Steig ein.
Grigorij ging um das Auto herum und kletterte auf den Beifahrersitz. Der Taxifahrer streckte sich, so weit es die bescheidenen Ausmasse des Innenraums erlaubten.
– Geht die Fahrt weit?
– Nicht sehr, – antwortete Grigorij, – nach Leningrad.
Der Taxifahrer starrte Grigorij fassungslos an.
– Nun, was ist das Problem? Hin und zurueck, an einem Tag schaffen wir das.
Der Taxifahrer drehte sich mit dem ganzen Koerper zu Grigorij um. In seinen Augen leuchteten schelmische Lichter auf, die zeugten, dass er nun wach war und vorhatte, dem Laien die Schwierigkeiten des Fuhrgewerbes aufzuzeigen.
– Erstens, das Benzin, – der Junge bog den kleinen Finger um, – Marken, Schlange stehen, ein Limit von 20 Litern und sonstige Quaelerei.
– Das Benzin nehme ich auf mich. Wir fahren zur Tankstelle, du machst den Tank voll und die Kanister auch, falls du welche hast.
Der Taxifahrer schmunzelte misstrauisch.
– Zweitens, die GAI, – er bog den zweiten Finger um.
– Mach dir wegen der GAI keine Sorgen. Alle Unklarheiten mit den Miliz-Bullen werde ich regeln.
– Drittens…
– Drittens, der Preis, – unterbrach ihn Grigorij. – Wie viel?
– Eineinhalbtausend, – sagte der Taxifahrer und war selbst ueber seine eigene Unverschaemtheit erstaunt.
– Einverstanden, – stimmte Grigorij zu.
– Tausend im Voraus, – klammerte sich der Taxifahrer krampfhaft an die letzte Moeglichkeit, den Kunden abzuweisen.
Grigorij holte seine Brieftasche heraus.
– Das Benzin geht extra, – fuegte der Taxifahrer zum Preis hinzu.
– Das Benzin geht extra, – stimmte Grigorij nickend zu.
Ohne Eile zaehlte er sieben Hunderter ab, legte einen Fuenfziger dazu und reichte das Geld dem Taxifahrer.
– Na, schau mal, – sagte der Junge, waehrend er das Geld annahm, – wenn du mir den Tank nicht fuellst…
– Fahren wir, – gaehnte Grigorij, – der Weg ist weit.
Das Auftanken klappte problemlos. Grigorij befahl der schlaefrigen Herrin des knappen Brennstoffs einfach, den blauen Schiguli bis obenhin vollzumachen. Was auch ausgefuehrt wurde, unter den empoerten Ausrufen der finsteren Schlange von Schiguli- und Moskwitsch-Besitzern.
Der Taxifahrer begann Grigorij zu respektieren, und nach dem zweiten GAI-Posten, der sie – man muss sagen, voellig zu Recht – wegen wahnsinniger Geschwindigkeitsueberschreitung stoppte, begann er zu ahnen, dass sein Kunde, wenn schon kein Hexenmeister, so doch sicher ein Magier war.
Der Taxifahrer war nicht besonders gespraechig, aber waehrend der langen Fahrt erfuhr Grigorij genug ueber ihn.
Mischa Selesnew. Hatte in der Armee gedient. Mongolei. Steppe. Hundekaelte. Die Mongolen waschen sich nicht, sie haben Angst, das Glueck abzuwaschen. Er arbeitet als Kranfuehrer. Gute Arbeit, aber sie zahlen wenig. Jetzt ist er im Urlaub. Er verdient sich etwas mit dem Auto seines Vaters dazu. Er hat sich mit seiner Freundin gestritten. Alle Weiber sind dumm.
Sie rasten mit dem Wind dahin und fuhren in der zweiten Stunde in Leningrad ein.
– Wohin, Grischa? – fragte Mischa.
– Rechts, geradeaus, links, – kommandierte Grigorij, – stopp, wir sind da.
Vor dem Buero warteten Goldmann und Schilow unruhig auf Grigorij.
– Also, Mischa, – sagte Grigorij, bevor er aus dem Wagen stieg, – man wird dich fuettern, du wirst dich ein paar Stunden ausruhen koennen. Um 17:00 Uhr machen wir uns auf den Rueckweg.
– Ich habe verstanden, Grischa. Und klasse sind wir dahin gerast, – bewunderte Mischa, – so gut bin ich noch nie gefahren.
Grigorij stieg aus dem Wagen und begruesste Goldmann und Schilow mit Handschlag.
– Grischa, wir muessen sofort los. Der Wagen steht schon bereit.
Die Wolga des Direktors, als haette sie Goldmanns Worte gehoert, hustete ein paar Mal und sprang an.
– Immer mit der Ruhe, Karlovitsch. Loecha, den Fahrer, – Grigorij nickte in Richtung Mischa, der sich gerade den Ruecken lockerte, – fuettern, traenken, schlafen legen. Um 17:00 Uhr ist Abfahrt.
– Alles wird in bester Ordnung erledigt, – versicherte ihm Schilow.
– Fahren wir, Viktor Karlovitsch, – Grigorij trat zur Wolga, – um die «Deckung» flachzulegen.
– Fahren wir, – Goldmann riss die vordere Tuer auf, – setz dich nach vorne.
Свидетельство о публикации №226012302131