An der Kirchent r
Ich stehe betend an der Kirchent;r
vor dem Blick des Pastors. In der Ferne —
Jesus. Seine Augen halb geschlossen,
auf der Ikone kaum zu erkennen.
Alte Frauen sitzen dort und wischen Tr;nen fort,
blicken zu ihm hin und schlucken still ihr Leid.
In Gedanken vertrauen sie ihm ihre Hoffnungen an —
alle Zuversicht ruht allein auf ihm.
Er, Christus, der Erl;ser,
befreite uns von Leid und Irrwegen.
Durch seine Wunden und sein Leiden
heilte er uns von allen Krankheiten.
Doch oft h;ren wir das Glockengel;ut nicht mehr,
das vom Himmel zu uns dringt.
Wir t;ten, rauben —
und Bosheit bef;llt uns
wie eine Krankheit der Haut.
…Nun stehe ich wieder betend an der Kirchent;r.
Vor mir der Pastor,
in seinen H;nden Leib und Blut des Herrn.
„Trinkt davon,
die ihr eure S;nden bereut.“
Und nachdem ich die heilige Gabe empfangen hatte,
kniete ich nieder vor dem Vater:
„Vergib mir, halb Erblindeter,
und hilf mir, Christus zu begegnen.
M;ge Jesus mir leise erz;hlen
von den S;nden der Menschen und ihrem Leid.
Denn ich wei;:
Grausamkeit auf Erden
erlaubt sich nur der Mensch selbst.
Hat er ges;ndigt, sucht er Rechtfertigung
vor Gott und vor den Menschen.
Doch andere richtet er ohne Erbarmen —
f;r andere gibt es keine Vergebung.
Und manchmal lachen wir sogar ;ber Gott,
beneiden einander ohne Ende
und st;rzen mit unseren Lastern
immer tiefer in den Abgrund,
wobei wir alles um uns zerst;ren.
So halte inne, vern;nftiger Mensch,
jage nicht einem satten Schicksal nach.
Lebe nicht gedankenlos nur f;r den Augenblick —
wahres Gl;ck liegt im Glauben Gottes.“
1994
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