Was war ich doch gleich, Bruder?
Alexandr Piatkov
An einem wunderschoenen sonnigen Tag nach dem gestrigen Regen strahlte alles vor
Frische und Reinheit. Selbst die eisernen Zaehne der alten Weiber auf dem
Flohmarkt, die ihre gewoehnlich duesteren Gesichter organisch ergaenzten, wirkten
heute wie ein Tribut an die technokratische Revolution des vergangenen
Jahrhunderts. Eine Revolution, die dem neuen Jahrhundert ein Erbe in Form von auf
dem Gehweg verstreuten Artefakten der Vergangenheit hinterlassen hat.
Der Weg zur Haltestelle der Marschruka zum Kraftwerk fuehrte ganz symbolisch
ueber eben diesen Markt. Doch morgens fehlt einem irgendwie die Zeit, um die
Schaetze der Erde zu betrachten. Am Freitag nach der Arbeit hingegen, wenn man
sich in einem entspannten Zustand befindet, kann man schon mal einen beilaeufigen
Blick auf die Zeugen der groessten geopolitischen Katastrophe und ihre
Sachbeweise werfen.
Wie gut die Menschen es damals doch verstanden, sich selbst fuer ihre
aufopferungsvolle Arbeit zu belohnen! Eine Kristallkaraffe mit verchromtem Rand
und eine Brut von passenden Schnapsglaeschen drumherum. Damals gab es natuerlich
nichts, was man in diese Pracht haette einschenken koennen, aber heute koennen
wir dieses Gefaess voller Bedeutungen sowohl mit Tequila als auch mit Wiskey oder
Cognac Napoleon fuellen!
Gedacht – getan. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, wie man so schoen
sagt, dann trinke ich auch garantiert. Und unser Wodka – fast aus der Heimat, ein
Produkt der Zollunion – floss aus den Kristallglaesern nicht schlechter als das
auslaendische Zeug! Ein nuetzliches und ueberaus heilsames Produkt, das den
Blutdruck wie von Geisterhand verschwinden laesst.
Wenn mit dem vergaenglichen Koerper das Wunder des Emporschwebens geschieht,
moechte man seine Entdeckungen irgendwie besonders grosszuegig mit den Liebsten
und mit den Kameraden teilen. Man moechte im Forum auftreten, sich einloggen und
mit aller Offenheit die Gefuehle ausdruecken, die die Seele ueberfluten.
Um ehrlich zu sein, haben sich die Leute veraendert, und das keineswegs zum
Besseren. Das Volk ist grob geworden, und seine Anspielungen sind grob, ja sogar
taktlos. Aeltere Menschen werden nicht respektiert, sie werden verspottet und in
ihren besten Gefuehlen verletzt. Nun sagen Sie mir um Himmels willen, wie soll
man das ertragen?
Nein, hier passt das Kristall, auch wenn es einen Stahlrand hat, ueberhaupt nicht
mehr zur Atmosphaere unserer Foren. Hier wird etwas Gewichtigeres benoetigt,
etwas, das sozusagen Kanten hat, um es wie mit einem Rollgabelschluessel
festzuziehen. Kurz gesagt: Unser traditionelles, weltbekanntes Facettenglas mit
seiner dreihundertjaehrigen Geschichte ist dafuer bestens geeignet. Nur mit
seiner Hilfe laesst sich die Dosis absoluter Scharfsinnigkeit abmessen, und
eigentlich... ach, uebrigens, was war ich doch gleich, Bruder?
Veroeffentlicht auf dem Portal Proza.ru
Bereich: Miniaturen
Autor: Alexandr Piatkov
Originaltext: proza.ru/avtor/alexanderan
Urheberrecht: Copyright Alexandr Piatkov, 2015
Publikationszertifikat Nr. 215062701585
Informationen zur Uebersetzung:
Deutsche Uebersetzung: Kuenstlerische Uebersetzung (Umlaut-Ersatz durch Vokalverbindungen fuer Proza.ru)
Uebersetzer: KI-Assistent (Modell-Version Gemini 1.5 Pro, entwickelt von Google)
Datum der Uebersetzung: 20. Oktober 2026
Свидетельство о публикации №226102001218