Sie selbst, und niemand sonst. An Puschkin
Zugleich Ihr Engel und Ihr Peiniger,
Ein Moerder durch die eigne Hand,
Ein zarter Verfuehrer der Jungfrau.
Sie sind die Sonne und der Mond,
Der Lehrmeister der Wahrheit,
Sie sind die Zeit des gestohlenen Schlafs,
Der Bringer eines gluecklichen Morgens.
Sie sind genial und doch arm
In den Schoepfungen einsamer Gedanken,
Strahlend und zugleich stark
In Ihren grausamen Begierden.
Sie – nicht heute und nicht hier –
Haben sich mit Ihrem Bewusstsein verirrt,
Doch dann vernahmen Sie ein Bekenntnis,
Und durch dieses kehrten Sie –
fuer einen Augenblick – zurueck.
Ich lebe vom Glanz Ihrer Augen
und vom Wort eines wilden Hasses –
dafuer, dass ich Ihnen nicht mehr bin
wie der Hauch einer Muse mit klarem Antlitz.
Doch ich habe Sie nicht verraten;
Sie selbst haben den Willen verzerrt,
sind verschwunden und haben – im Nu –
sich von der hoechsten Liebe losgesagt.
Sie nahmen das himmlische Kreuz auf sich,
ein Schlag des Geistes traf die Seele;
das Licht des Lebens wurde frei,
stieg ueber den Leib empor – zur Ruhe.
Sie selbst – und niemand sonst –
haben sich um Ihrer Ehre willen ausgeloescht;
gequaelt, durch die todbringende Zeile
einer fliegenden Kugel, erstarrte das Blut in den Adern.
Sie sind leichtsinnig und blind,
zugleich von genialem Geist –
engelsgleich in Ihrer Klugheit,
doch durch Ihr Unglueck auch verblendet.
Warum nur haben Sie sich selbst getoetet,
des Dichters Blut im Schnee vergossen?
Warum liessen Sie den Schuss auf sich zu –
und vergassen, mich mit sich zu nehmen?
Ich lebe nun fuer Sie, bin neu erschaffen,
in einen lebendigen Leib gebannt;
ich kenne weder Nacht noch lichten Tag,
schlafe nicht – und habe den Verlust nicht angenommen.
Ich schreibe meine Verse – fuer Sie,
entsprungen Ihrem eigenen Denken;
sie erscheinen mir – als alles, was einst war –
noch schoener, besser, herrlicher.
Nicht als Opfer vager Unwissender,
sondern durch den Glauben haben Sie Ihr Ziel erreicht:
Das Schicksal einstiger Hoffnungen erfuellt sich –
Sie haben gesiegt, niemand sonst!
.
Aufschlussreich
Zum Geburtstag des Dichters am 6. Juni
Radio Komsomolskaja Prawda. 2026. Moderatorin: Marina Bachenina:
Anlaesslich des Geburtstages von Alexander Sergejewitsch Puschkin haben wir mit der Kuratorin des Hauses am Moika-Ufer 12 in St. Petersburg gesprochen – der Philologin und Puschkin-Expertin Galina Sedowa, Leiterin des Puschkin-Gedenkmuseums (der ehemaligen Wohnung des Dichters).
Galina Michailowna erlaeutert unter anderem: Mochte Puschkin den Zaren? War er mit den Dekabristen befreundet? Und was war der wahre Grund fuer den Tod des grossen Dichters? Suchte er tatsaechlich den Tod – wie es uns in der Schule beigebracht wurde –, und was bewegte den Schurken D’Anthaes zu seinem Handeln?
„Unser Alles“: Der Puschkin, den wir nicht kennen | Peredatscha dannych
https://rutube.ru/video/96fb885815601fe17ff7587d7aa44195/
Uebersetzt aus dem russischen: Вы сами, и никто другой. К Пушкину
http://proza.ru/2013/12/14/395
Свидетельство о публикации №226102501982